Die Bierologen – Kölsch – Verkostung

(Hamburg, 10.07.2020)

„Eine differenzierte Verkostung ausgerechnet von Kölsch? Ist das nicht das Helle unter den Obergärigen Bieren, extra in kleinen Gläsern serviert, um es gedankenlos kippen zu können?“ mögen böse Zungen fragen.

„Weit gefehlt“, sagen wir Bierologen.

Zugegeben, Kölsch ist schon per definitionem nicht der ausdrucksstärkste Bierstil.

Aber genau das macht es spannend und herausfordernd, genau hier die Nuance und kleinen Differenzen zu finden.

Das ist kein Gelage, das ist Arbeit, wenn auch angenehme.

Also haben wir uns ein Paket mit 9 Sorten Kölsch nach Hamburg geordert und diese Palette aus dem Craft Beer – Geschäft unseres Vertrauens noch um eine Sorte ergänzt – das einzige „Craft – Kölsch“, das dort zu bekommen war. Wir sind eben in Hamburg und nicht in Köln.

Damit umfasste unser „Teilnehmerfeld“:

– Früh Kölsch

– Gaffel Kölsch

– Gilden Kölsch

– Mikkeller Kölsch (regelkonform als Collab in Köln gebraut und als einziges aus der Dose)

– Mühlen Kölsch

– Peters Kölsch (in der Bügelflasche)

– Reissdorf Kölsch

– Sion Kölsch (in einer 0,25l-Flasche -Weißglas!)

– Sünner Kölsch

– Zunft Kölsch (aus Wiehl, als Veteran der Kölsch-Konvention*)

Wie es leider so ein Bierpaket an sich haben kann, waren die Flaschen bzw. die dazugekaufte Dose unterschiedlich alt, wie der Blick auf das MHD verriet.

Schon von daher maßen wir uns keine wissenschaftliche Exaktheit an, sondern präsentieren das subjektive Ergebnis unserer Stichprobe.

Soweit jemand sein Kölsch in unserer Liste vermisst, oder uns ein frisches Exemplar zum nachverkosten zukommen lassen will, gerne her damit.

Neben den Detailbetrachtungen zu Aussehen, Schaum, Aroma, Geschmack, Mundgefühl, Antrunk und Abgang mit Nachgeschmack, haben wir jeweils entsprechend der „untappd-Skala“ jeder bis zu 5,0 Punkte vergeben.

Da wir zu zweit waren, waren also 10,0 Punkte das theoretische Bewertungsmaximum.

Unser Sieger: Früh Kölsch

Früh

Früh Kölsch bekam von uns 4,3 (Clemens) und 4,0 (Tobi) Punkte und war mit 8,3 Gesamtpunkten Verkostungssieger.

Im Glas war es blassgold und kristallklar, der Schaum umfangreich, feinporig und stabil.

Das Aroma gab sich fruchtig mit einer Note von Sauerteig (Clemens) bzw. „bittersüß“ (Tobi).

Antrunk und Mundgefühl waren Stil-typisch schlank.

Im Geschmack zeigten sich bei angenehmer Süffigkeit ein malziges Toastbrot mit Rapshonig (Clemens) bzw. Getreide bei guter Ausgewogenheit (Tobi).

Im Abgang hinterließ das Früh Kölsch eine schöne Süße.

Zweiter Platz: Peters Kölsch

Peters

Das Peters Kölsch wurde von uns mit 4,2 (Clemens) bzw. 4,0 (Tobi) Punkten bewertet und erhielt damit insgesamt 8,2 Punkte.

Eine Besonderheit an Peters Kölsch war die Verpackung: Eine Bügelflasche mit sattem „Plopp“ beim Öffnen.

Im Glas präsentierte sich das Peters Kölsch hellgelb und kristallklar, der Schaum war auch hier umfangreich, feinporig und stabil.

Das Aroma ging spannender weise in Richtung Frühstückszerealien bzw. Cornflakes.

Der Geschmack war süßlich und weißbrotig (Clemens) bzw. geradezu lieblich süß (Tobi).

Der Abgang ließ eine ebenfalls süße Keksnote zurück.

Dritter Platz: Sünner Kölsch

[leider haben wir vergessen,vom Sünner Kölsch ein Bild zu machen 😦 wird ggf. nachgetragen, falls Sünner uns z.B. eine Flasche zukommen lässt ;)]

Das Sünner Kölsch bekam von jedem 4,0 Punkte und wurde mit 8,0 Punkten „Dritter“ (übrigens haarscharf vor dem Mikkeller Kölsch).

Im Glas zeigte sich das Sünner Kölsch hellgold und kristallklar.

Der Schaum war eher überschaubar und wenig stabil.

Das Aroma prägten (allerdings sehr dezente) Zitrus- und Toastnoten (Clemens) bzw. Zitrus- und Getreidenoten (Tobi).

Der Geschmack war getreidig und leicht süßlich.

Erstaunlich für ein Kölsch war das annähernd vollmundige Mundgefühl.

Im Nachgeschmack blieb eine süße, keksige Note zurück.

Das Sünner war – bei MHD 09/20 – schon etwa 10 Monate alt.

Möglicherweise kamen daher das sehr zurückhaltende Aroma – selbst für ein Kölsch – und der eher unbefriedigende Schaum.

Wie der dritte Platz zeigt, tat dies dem Genuss jedoch nur geringen Abbruch.

Fazit: Auch für Hamburger Bierologen können Kölsch spannend sein, wenn sie sich die Mühe machen, bewusst die Nuancen zu erkunden.


*Die Kölsch-Konvention von 1985 legte fest, dass „Kölsch“ unter dieser Bezeichnung nur noch in Köln gebraut werden. Kölsch wurde zum geschützten Herkunftsbegriff nach deutschem Recht.

Eine Ausnahme besteht für die bereits damals etablierten Kölsch-Brauereien außerhalb von Köln – z.B. die Erzquell-Brauerei in Wiehl mit dem Zunft Kölsch.